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Geschichte

Zusammengestellt nach einem geschichtlichen Kaleidoskop von Bruno Oetterli, Dozwil.

Die frühesten Daten liefern vor Kesswil gefundene Steinbeile aus der jüngeren Steinzeit. In der Römerzeit gehörte unsere Gegend zur Provinz Raatia.Gemeindehaus Kesswil

Die erste urkundliche Erwähnung von Chezzinwillare (= Weiler des Chesso) datiert vom 4. Juni 817, als Kaiser Ludwig der Fromme, ein Sohn Karis des Grossen, u.a. eine Manse in Kesswil (d.h. ein Gut von etwa 12 Hektaren) an das Kloster St. Gallen überträgt. Dieses erwirbt weitere Güter und verleiht sie als Lehen weiter. Die meisten Einwohner sind vom Mittelalter bis in die Neuzeit Lehensleute (Gottesleute) der Klöster St. Gallen oder Münsterlingen oder sind nach Konstanz zinspflichtig. Die Vogtrechte tritt St. Gallen 1413 an die Klosterfrauen von Münsterlingen ab, beansprucht sie aber 1498 erneut.

Mit Vertrag vom 26. Januar 1501 regeln die Vll eidgenössischen Orte und der Fürstabt von St. Gallen die Gerichtsbarkeiten. Der Abt übt die niedere Gerichtsbarkeit aus; die Eidgenossen sind die Landesherren (Landvogt in Frauenfeld). 1506 legt Abt Franziskus die Offnung (das Dorfrecht) fest.

Im Sommer 1525 beginnt die Reformation auch in Kesswil und setzt sich bald durch. Am 3. März 1798 wird der Thurgau aus dem Untertanenverhältnis entlassen und fünf Jahre später, 1803, zu einem selbständigen Kanton, dem auch Kesswil angehört. Die politische Gemeinde und das Schulwesen nehmen Formen an. Gemäss eidg. Volkszählung leben im Jahre 1860 in Kesswil 533 Einwohner.

Anfangs des 20. Jahrhunderts stehen 3 Bäcker, 4 Schneiderinnen, 4 Lebensmittel-handlungen, 2 Fellhändler, 3 Schuhmacher, 8 Schiffleute, 9 Sticker, 19 Landwirte und viele andere Gewerbetreibende im Adressbuch. Das Gewerbe nimmt neben einem Industriebetrieb und einer leistungsfähigen Landwirtschaft auch heute noch eine recht starke Stellung ein. Dass heute andere Branchen als vor einem Jahrhundert vorherrschen, widerspiegelt den Wandel der Zeiten.

Einige Daten vom 15. bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts

1429 Die Kesswiler beklagen bei der Meisterin von Münsterlingen das Fehlen einer Kirche. In den folgenden Jahren wird die Kapelle St. Adelheid erbaut.
1451 Anstellung eines eigenen Pfarrers.
1463 In Kesswil zählt man 53 Feuerstätten (Haushaltungen).
1534 Vermutlich erste kartographische Erwähnung von Kesswil auf der Bodenseekarte des Achilles Pirmin Gasser aus Lindau und…
1538 …auf der Schweizerkarte des Aegidius Tschudi.
1547 Zur Pfarrei Kesswil gehört seit einiger Zeit auch Dozwil.
1588 Uttwil kommt als Filiale zur Pfarrei Kesswil.
1628 Gemäss Kriegsordnung (Dreissigjähriger Krieg in Europa, 1618–1648) gehört Kesswil mit seinen 80 Mann zum Quartier Uttwil. Die Hochwacht beim «Huetacker» war mit 5 Mann unter einem Wachtmeister besetzt.
1644 Bei der Kirchenerweiterung in Kesswil wird die der hl. Adelheid geweihte Wallfahrtskspelle zerstört.
1649 Seelenzahl von Kesswil: 388 (Dozwil: 113; Uttwil: 424).
1691/1692 Hungerzeit: Von den ab Martini 1691 verstorbenen 94 Kesswilern erlagen 40 dem Hunger. Es gibt in Kesswil 52 Hausarme und 132 Bettler.
1782–1786 Langwieriger Kirchenstreit mit Dozwil, der selbst die eidg. Tagsatzung beschäftigt.
1803–1816 Dozwil gehört zu Kesswil.
1817 Schlimmes Hungerjahr.
1845 1. Januar; Eröffnung der Poststelle Kesswil.
1855–1875 Postkutschenlinie Amriswil–Dozwil–Kesswil–Konstanz.
1862 Kesswil hat eine Kahnverbindung mit dem Dampfschiff.
1869 Die Katholiken werden der Pfarrei Güttingen zugeteilt (vorher seit 1682 nach Romanshorn zugehörig).
1870 1. Juni; Eröffnung der Bahnlinie Romanshorn–Kreuzlingen.
1875 26. Juli; Geburt von Carl Gustav Jung im Pfarrhaus Kesswil.
1877 Adolf Schlatter (1852–1938) wird Pfarrer in Kesswil.
1878 17. Februar; Geburt von Paul Häberlin in Kesswil.
1886 3.0ktober; Einweihung des neuen Schulhauses an der Güttingerstrasse (vorher im Geburtshaus von Paul Häberlin an der Dozwilerstrasse untergebracht).
1898/1899 Erstellung der Trinkwasserversorqung.
1911 Gründung der Elektra-Genossenschaft.
1912 Elektrifizierung und Strassenbeleuchtung.
1946 Durchfahrt des ersten Zuges mit Elektrolok.
1952 28. September; Turnhalleneinweihung (1989 abgerissen).
1960–1968 Güterzusammenlegung.
1978 Inbetriebnahme der Abwasserkläranlage der Region Kesswil.
1988 Bezug des neuen Schulhauses (Standort: neben dem bestehenden Schulhaus an der Güttingerstrasse).
1992 100 Jahre Turnverein Gewerbeausstellung
1995 25. Seegottesdienst vor dem Hafen Kesswil